Brasilia

by MichaelM on 28. Mai 2012

Kathedrale Metropolitana de Brasilia © Luiz Trazzi Martins / Ministério do Turismo

Kathedrale Metropolitana de Brasilia © Luiz Trazzi Martins / Ministério do Turismo

In nur fünf Jahren solle Brasilien den Fortschritt von fünf Jahrzehnten erleben, prophezeite Juscelino Kubitschek seinen Landsleuten. Zum Symbol des rasanten Aufstiegs wähle Kubitschek, der das Amt des Staatspräsidenten anstrebte, die geplante Hauptstadt Brasilia, deren zügiger Bau zum zentralen Wahlkampfthema aufrückte. Als die neue Kapitale am 21. April 1960 eingeweiht wurde, blickte die Welt mit ungläubigem Staunen auf den lateinamerikanischen Staat, der unter beträchtlichen Anstrengungen in kurzer Zeit eine Meisterleistung vollbracht hatte.

Brasilia, in nur drei Jahren auf der kargen Hochebene des Cerrade aus dem Boden gestampft, war als architektonisches Wunderwerk damals das Beispiel für die ideale Stadt der Zukunft. Anfangs für etwa 800.000 Menschen konzipiert, vermochte das nagelneue Verwaltungszentrum im Herzen des Landes seiner Rolle als utopischer Magnet allerdings nicht ganz gerecht werden. Die Beamtenschaft zeigte sich trotz großzügig geplanter Plätze, Gärten, Wohnviertel und des modernen Straßensystems wenig geneigt, ihren Wirkungsort in Rio de Janeiro in das kühle und streng geordnete Zentrum zu verlegen.

Weil die Bevölkerung und der Reichtum Brasiliens seit Jahrhunderten auf einem kleinen Küstenstreifen konzentriert waren, wurde die Idee einer neuen Hauptstadt sogar in der Verfassung verankert. Schon zuvor hatte der italienische Priester und Erzieher Don Bosco seine Visionen dargestellt, wie im Inneren des riesigen Landes, wo “Milch und Honig fließen”, einstmals eine neue Kultur entstehen werde. Um die am grünen Tisch geplante Stadt zu realisieren, musste eine Star- und Landebahn mitten in den unberührten Wildnis entstehen, da dort weder Zufahrtsstraßen noch Baumaterial vorhanden waren. Die Bauarbeiter erstellten ihre eigene Barackensiedlung, die “Ciudad livre”, die entgegen ursprünglicher Planungen auch heute noch steht.

Juscelino Kubitschek Brücke © Sting (wikipedia.de)

Juscelino Kubitschek Brücke © Sting (wikipedia.de)

Die innerstädtischen Ronommierviertel tragen die Handschrift der berühmtesten Architekten der Epoche, an ihrer Spitze Oscar Niemeyer, der u.a. auch das eindrucksvollste Gotteshaus der Hauptstadt entwarf, die Kathedrale von Brasilia. Auf Grund seiner Bedeutung für die Architekturgeschichte gehört die Stadt seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Brasilia besuchen Sie u.a. auf diesen Reisen: Brasilien ausführlich (kürzere Version), Flusskreuzfahrt Amazónica, Höhepunkte Brasiliens, Brasilien ausführlich (längere Version)

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: