Länderinformationen Bolivien

by Marion on 3. März 2010

Name

Seinen Namen verdankt das Land dem Freiheitskämpfer Simón Bolívar, der es 1825 von den spanischen Eroberern befreite und der erste Präsident der neu gebildeten Republik wurde. Seit 2009 lautet der Staatsname offiziell „Estado Plurinacional de Bolivia“ – Pluri-Nationaler Staat Bolivien.

Lage – Allgemein

Bolivien Länderinfos
Landkarte von StepMap

Bolivien hat als einziges der Andenländer keinen Zugang zum Meer. Im Nordwesten grenzt es an Peru, im Nordosten an Brasilien, im Osten an Paraguay sowie im Süden an Argentinien. Im Südwesten liegt Chile. Die Nordsüd-Ausdehnung beträgt 1.500 km, die Westost-Ausdehnung 1.300 km. Die Fläche des Landes umfasst 1.098.581 qkm. Hauptstadt ist Sucre, der Regierungssitz befindet sich in La Paz.

Zeitzone

Die Zeitdifferenz zwischen Deutschland und Bolivien beträgt -5 Stunden im Winter und -6 Stunden während unserer Sommerzeit.

Geographie

Salar de Uyuni © atacama spirit chile travel

Salar de Uyuni © atacama spirit chile travel

Bolivien besteht aus fünf topographisch unterschiedlichen Regionen. Drei dieser Regionen werden von den beiden Andenkämmen, den Kordilleren, und der dazwischen liegenden Hochebene „Altiplano“ mit dem Titicaca-See und den Salzseen gebildet. Diese Bergregion umfasst etwa ein Drittel der Landesfläche. Die baumlose Hochlandsteppe im Norden geht nach Süden hin langsam in eine Wüste mit Salztonebenen über. Die vierte Landschaftsregion wird vom 300 – 400 m hohen Tiefland, dem „Oriente“, gebildet. Es macht den größten Teil des Landes aus (2/3 der Fläche). Die letzte Region, der „Chaco“ gehört zum südlichen Tiefland, besitzt aber eine vollkommen andere Vegetation, da sie mit 40 °C zu den heißesten Gebieten Südamerikas zählt.

Der westliche Andenkamm hat seine höchste Erhebung im Vulkan Sajama (6.542 m). Die östliche Kordillere, die von tiefen Tälern (Yungas) zerfurcht wird, steigt im Illimania, dem höchsten Berg des Landes, bis zu 6.882 m auf. Zwischen den bis 800 km breiten Andenkämmen liegt die Hochebene Altiplano, die eine mittlere Durchschnittshöhe von 3.000 m aufweist. Im Süden der Hochebene liegt der Titicaca-See, der aber nur zu einem kleinen Teil zu Bolivien gehört. Das Gebiet der beiden Andenkämme und die Hochebene machen 35 % der Landesfläche aus. Im Süden dieser abflusslosen Ebene liegt der Salar de Uyuni, ein 12.000 qkm großer Salzsee, der größte der Erde.

Klima

Jede der Regionen besitzt ein ihr eigenes Klima, das vom Hochgebirgsklima der Anden, über das subtropisches Klima der Yungas, bis zum tropischen Tieflandklima und der Trockenzone des Chaco reicht. Im Hochland sind die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter kaum ausgeprägt, jedoch sind die Unterschiede zwischen den Tages- und Nachttemperaturen erheblich. Nachtfröste lassen die Temperatur auf bis zu -20 °C sinken. Die Schneegrenze liegt bei etwa 5.300 m. Die Niederschlagsmenge ist gering, sodass sich hier eine Hochgebirgswüste bzw. Halbwüste gebildet hat. Rund um den Titicaca-See findet man aber ein gemäßigtes Höhenklima mit geringeren Tagestemperaturschwankungen, aber etwas höheren Niederschlagsmengen. Die Ostseite der Anden bietet ein warm gemäßigtes Klima, in dem die Temperaturen zwischen Sommer und Winter kaum differieren und auch die Unterschiede zwischen Tag und Nacht nicht so drastisch sind. Im nördlichen Tiefland herrscht ein tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit vor, während das südliche Tiefland von einem Savannenklima mit jahreszeitlichen Temperaturunterschieden und einer geringen Luftfeuchtigkeit bestimmt wird.

Nationale Symbole

Flagge
Die Nationalflagge zeigt drei horizontale Streifen in Rot, Gelb und Grün.
Das Rot symbolisiert die Tapferkeit der bolivianischen Soldaten,
das Gelb den Reichtum an Mineralschätzen
das Grün die Fruchtbarkeit des Landes.
Wappen
Das Wappen zeigt ein Oval, in dem der Berg Potosí, ein Alpaka, eine Weizengarbe und ein Brotfruchtbaum abgebildet sind.
Der Berg Potosí ist das Symbol für die reichen Silbervorkommen des Landes, das Alpaka ist das Nationaltier Boliviens und die Weizengarbe und der Brotfruchtbaum stehen für den Reichtum des Andenstaates.
Nationalhymne
1952 wurde dieses Lied, das von José Ignacio de Sanginés geschrieben wurde, zur Nationalhymne erklärt. Die Musik stammt von dem Italiener Leopoldo Benedetto Vincenti.
Bolivano, el hado propizio
Bolivaner, ein günstiges Schicksal

Geschichte

Schon 200 v. Chr. bis 600 n. Chr. war die Gegend um den Titicaca-See das Zentrum des Tiahuanaco-Stammes, dessen Kultur eine der bedeutendsten vorgeschichtlichen Kulturen Südamerikas darstellt. Dieser Indianer-Stamm wurde zwischen 1438 und 1471 von den Inkas unterworfen. Auch die zahlreichen anderen Stämme, die sich im Land in den verschiedensten Regionen angesiedelt hatten, wurden von den Inkas ohne große Mühe besiegt. 1538 kamen dann die Spanier ins Land und eroberten die gesamte Andenregion. Bolivien und Peru wurden 1563 zum spanischen Vizekönigreich Peru zusammengefasst. Besonderes Interesse hatten die Spanier an den reichen Silbervorkommen, die rund um den Berg Potosí lagen. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Gegend zu einem der bevölkerungsreichsten Orte Amerikas. Am 6. August 1825 verkündete das Land nach der Besiegung der Spanier durch den Nationalhelden Simon Bolívar seine Unabhängigkeit und nannte sich ihm zu Ehren Bolivien. Mehrere Umstürze und schwere Bürgerkriege folgten. Große Gebietsverluste musste das Land im so genannten Salpeter-Krieg (1879-1883) mit Chile hinnehmen, als es mit seiner Küstenprovinz Antofagasta auch den Zugang zum Meer verlor. Von 1932 bis 1935 führte Bolivien einen Krieg mit Paraguay, bei dem es weitere Gebiete verlor. Bis 2005 folgten wieder Staatsstreiche, Militärputsche, Bauernunruhen und soziale Unruhen. Im Dezember 2009 beschloss die Regierung das Land in „Pluri-Nationaler Staat Bolivien“ umzubenennen.

Interessante Städte und Stätten

Tiahuanaco
20 km südöstlich des Titicaca-Sees liegen die vorkolumbischen Ruinen von Tiahuanaco, das jahrhunderte lang die Hauptstadt und das religiöse Zentrum der gleichnamigen indianischen Kultur war. Die Tiahuanaco gehörten zu den am höchsten entwickelten Völkern der Vorinkazeit. Von den Ruinen, die über mehrere Quadratkilometer verteilt sind, ist das „Sonnentor“ am besten erhalten geblieben. Monolithen aus dem Ruinengebiet wurden in das Museo Arqueológico Tiwanacu nach La Paz gebracht, wo man sie heute zusammen mit anderen Funden besichtigen kann

Ruinenstätte „El Fuerte de Samaipata“
Die Festung liegt auf 1.900 m Höhe und umfasst ca. 40 ha. Es handelt sich um eine ehemalige Zeremonienanlage der Inkas und Reste von Siedlungen früherer Indianerkulturen.

freundliche Kinder in Bolivien © atacama spirit chile travel

freundliche Kinder in Bolivien © atacama spirit chile travel

Potosí
Am Fuße des 4.829 m hohen Cerro Potosí liegt die gleichnamige legendäre Silber-Stadt, die im 17. Jahrhundert als eine der reichsten Städte der Welt galt. Immerhin nahezu zwei Drittel des weltweit geförderten Silbers stammte damals aus den Minen rund um die Stadt. Aus der Kolonialzeit sind noch zahlreiche Kirchen erhalten, die königliche Münze „Casa Real de la Moneda“ ist heute ein Museum.

Sucre
Die Hauptstadt gilt als eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas. Sie liegt auf 2.800 m Höhe und wurde 1538 von Franzisco Pizzaro als „Villa de la Plata“ (Silberstadt) gegründet. Ihren heutigen Name Sucre erhielt sie nach der Ausrufung der Republik Bolivien zu Ehren von General Antonio de Sucre, der einer der wichtigsten Mitkämpfer Simon Bolívars im Unabhängigkeitskrieg war. Die schönen kolonialzeitlichen Bauten blieben aber erhalten und so wurde die Stadt 1990 von der UNESCO sogar zum Weltkulturerbe erklärt. Heute hat Sucre etwa 215.000 Einwohner, ist aber nur noch offiziell Hauptstadt Boliviens.

La Paz
Der Regierungssitz ist mit einer Lage von 3.200 bis 4.100 m Höhe der höchstgelegene der Erde. In La Paz befinden sich inzwischen alle wichtigen Verwaltungen. Eine Sehenswürdigkeit ist das Coca-Museum, in dem die Geschichte dieser Pflanze und ihre Verwendungen im Laufe der Zeit dargestellt wird. Neben den neuzeitlichen Bauten sind auch noch Kirchen und Häuser im Kolonialstil erhalten.

Flora und Fauna

Alpaca © atacama spirit chile travel

Alpaca © atacama spirit chile travel

Im trocken-kargen Hochland ist die Artenvielfalt sehr gering. Horstgräser, Zwergsträucher und Polsterpflanzen bilden hier die Vegetation. Neben Andenfuchs, Andenhirsch und Chinchillas ist hier der Kondor, eine Geierart mit einer Flügelspannweite von ca. drei Metern zu Hause. An der Ostflanke der Anden wachsen in den Nebelwäldern vor allem Orchideen, Moose und Flechten. Der tropische Regenwald des nördlichen Tieflands bietet eine reiche tropische Tierwelt mit Papageien, Kolibris, Tapiren und Brüllaffen.

Wirtschaft

Obwohl Bolivien reich an Bodenschätzen wie Silber, Zinn und Erdöl sowie Erdgas ist, ist es ein Entwicklungsland geblieben. Die Lage auf dem Weltwirtschaftsmarkt mit dem Verfall der Energie- und Rohstoffpreise hat es zum Armenhaus Südamerikas werden lassen. Handelspartner sind Brasilien, Argentinien, die USA, Japan und Venezuela. Exportiert wird Erdgas, Bergbauerzeugnisse wie Zinn und Lithium und Agrarprodukte. Importiert werden müssen vor allem Lebensmittel, da die Landwirtschaft die Bevölkerung nicht ernähren kann. Die schlechte Infrastruktur behindert den industriellen Ausbau und Investitionen aus dem Ausland.

Mitgliedschaften

Bolivien ist Mitglied bei den Vereinten Nationen (UN), der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR), der Andengemeinschaft (CAN), sowie vielen anderen kleineren nationalen Organisationen.

Bevölkerung

In Bolivien leben knapp 11 Millionen Menschen. Der größte Teil davon (90 %) sind Angehörige der verschiedensten Indianerstämme bzw. Mischlinge zwischen Indianern und Weißen. Die Weißen sind zwar in der Minderheit, bilden aber die Oberschicht. Der Großteil der Bevölkerung lebt inzwischen in den Städten, teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Religion

Der größte Teil der Bevölkerung bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben, ein kleiner Teil zum evangelischen Glauben.

Sprache

In Bolivien sind laut Verfassung neben Spanisch auch die 36 regionalen indigen Sprachen Amtssprache. Die wichtigsten sind Quechua und Aymara. In den Städten wird meist Spanisch gesprochen, während auf dem Land die Indianersprachen überwiegen.

Essen und Trinken

Bolivianer essen bevorzugt pikant – oftmals werden die Gewürze und scharfen Saucen jedoch separat auf den Tisch gestellt. Sehr beliebt in Bolivien sind beispielsweise

-         picante de pollo (Hähnchen mit Paprikagemüse und Reis)

-         Pique Macho (eine Mischung aus Hackfleischbällchen, Würstchen, Reis und Gemüse)

-         Humitas (Maisbrei eingewickelt in Maisblätter)

-         Salteñas (gefüllte Teigtaschen)

Getrunken wird in Bolivien sehr gerne Batido, dieses Getränk besteht aus rohen Eiern und Bier. Auch wenn es einen zuerst etwas Überwindung kostet, ist das Geschmackserlebnis wirklich positiv. Ein weiteres alkoholisches Getränk ist Chicha, es ist bierartig und wird durch Fermentation von Mais gewonnen. Ansonsten gibt es auch in Bolivien Kaffee und Tee, zu den typischeren bolivianischen Teesorten gehört mate de coca, ein Aufguss aus Teilen der Cocapflanze.

Geld / Währung

Die Landeswährung ist der Boliviano, der in 100 Centavos unterteilt wird.

Medizinische Hinweise / Impfungen / Krankenversicherung

Informationen zu Impfungen erhalten Sie unter http://www.travelmed.de/ bzw. der Website des Centrums für Reisemedizin (CMR). Dringend abgeschlossen werden sollte eine Auslands-Krankenversicherung mit Rücktransport.

Strom

Da die Netzspannung in Bolivien 110 bzw. 120 Volt beträgt, ist es ratsam einen Adapter mitzunehmen.

Sicherheit / Drogen

Das Auswärtige Amt bietet auf seiner Web-Site www.auswaertiges-amt.de/ aktuelle Informationen zur Sicherheitslage im Land.

Einreise / Reisedokumente

Die wichtigsten Flughäfen sind La Paz und Santa Cruz.

Deutsche Staatsbürger benötigen kein Visum für einen touristischen Besuch. Bei Einreise muss der Reisepass noch mindestens 6 Monate gültig sein.

Adressen

In Deutschland:

Botschaft des Plurinationalen Staates Bolivien
Wichmannstraße 6
10787 Berlin
Tel: 030 – 263915-0
Fax: 030 – 263915-15
E-Mail embajada.bolivia@berlin.de
www.bolivia.de

Außerdem gibt es Honorarkonsulate in Bremen, Hamburg, München und Schlossborn.

In Bolivien:

Deutsche Botschaft
Avenida Acre 2395
La Paz
E-Mail: info@la-paz.diplo.de
www.la-paz.diplo.de

Honorarkonsulate findet man außerdem in Sucre, Santa Cruz und Cochabamba.

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