Mein Austauschjahr in Brasilien

by MichaelM on 3. Mai 2012

Am 16. Juli 2007 war es endlich soweit – ich durfte dank eines Stipendiums der deutschen Post nach Südamerika fliegen. Mit meinen damals erst 16 Jahren war ich sehr aufgeregt, was mich in diesem exotischen Land alles erwarten würde. Also machte ich mich auf die Reise…

Mein erster Stopp war Sao Paulo. Ich war zunächst noch mit einer Gruppe von 28 deutschen Austauschstudenten unterwegs. Als wir den Flughafen verließen wurden wir sofort überrascht. Es war unerwartet kalt und direkt vor dem Eingang standen dutzende von Polizisten, gekleidet und bewaffnet, wie wir es nur von Soldaten aus Filmen über die Weltkriege kannten. Mit einem zunächst mulmigen Gefühl packten wir unsere Koffer in den Bus und machten eine Rundreise durch das riesige, beeindruckende Sao Paulo. Schon hier wurde der Unterschied zwischen Arm und Reich schnell deutlich, sowie die auseinanderklaffende Landschaftsprägung – Smog in der Innenstadt, grüne Parks vor den Villen der Reichen und dürres, ausgetrocknetes Land auf der 6-stündigen Busreise nach Rio de Janeiro.

In Rio de Janeiro genossen wir eine 1-wöchige Ausbildung über Kultur, Land und Leute und lernten mit spärlichen Mitteln, wie z.B. harten Betten und kalter Dusche auszukommen. Doch trotz allem auf das wir verzichten mussten waren Rio de Janeiro und seine Vororte ein einmaliges Erlebnis. Die Lebensfreude auch der ärmeren Brasilianer kann von uns Europäern wohl kaum übertroffen werden. Man lernt auf jeden Fall unseren Reichtum zu schätzen, wenn man die Favelas – die dorfartigen Slums Rio de Janeiros – auch nur von weitem sieht.

Nach dieser Einführungswoche wurde jeder auf sich selbst gestellt und ich flog alleine von Rio nach Florianopolis. Am Flughafen sprach kaum jemand Englisch, woraufhin ich, mich mit Händen und Füßen verständigend, nach einigem Suchen und Warten meinen verspäteten Flieger erreichte.

Am Flughafen wurde ich bereits von meiner Gastfamilie erwartet. Mein Gepäck kam zwar erst 1,5 Wochen später an, aber das stellte kein größeres Problem dar, da meine Gastschwestern mich gerne einkleideten. Als ich am Grundstück meiner Gastfamilie angekommen war, dachte ich wirklich, im Paradies angekommen zu sein. Das Grundstück  war eine Oase – verschiedenste Blumen und Obstbäume zierten den großen Garten und ich entdeckte unendliche Weiten.

Alles in Allem war das Jahr in Brasilien ein unvergessliches Erlebnis und vor allem die Lebenseinstellung und Fröhlichkeit der Landsleute war einfach mitreißend. Die Menschen in Südamerika legen viel Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen und sind grundsätzlich wenig materiell eingestellt.  Ich persönlich muss sagen, dass ich nie erwartet hätte, von einer fremden Familie wie eine echte Tochter und Schwester aufgenommen zu werden. Da es sehr leicht war Freundschaften zu knüpfen, lebte ich mich schnell ein und beherrschte innerhalb von 2 Monaten die portugiesische Sprache.

Für alle, die Wärme, Gastfreundschaft und Fröhlichkeit suchen ist ein Aufenthalt in Brasilien also absolut empfehlenswert.

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